Kein Pilz unterschätzt sich leichter und schlägt härter zu: Der Brandkrustenpilz arbeitet versteckt am Stammfuß, baut tragendes Holz von innen ab und bringt Bäume oft ohne Vorwarnung zu Fall. Wer ihn kennt, kontrolliert genauer.

Steckbrief: ein heimtückischer Fäulepilz
Der Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta, früher Ustulina deusta) ist einer der gefährlichsten holzzerstörenden Pilze an Stadt- und Parkbäumen. Er besiedelt den Stammfuß und die Wurzelanläufe – also genau die Zone, die für die Standsicherheit entscheidend ist.
Warum er so gefährlich ist
Drei Eigenschaften machen ihn zur Bedrohung:
- Er baut tragendes Holz ab. Als Weißfäuleerreger zersetzt er Lignin und Zellulose im Stammfuß – dort, wo der Baum die größten Kräfte aufnimmt.
- Er macht das Holz spröde. Befallenes Holz bricht plötzlich und glasartig, statt sich vorher zäh zu verformen. Es gibt kaum Vorwarnung.
- Er ist leicht zu übersehen. Lange zeigt er nur einen unauffälligen grau-silbrigen Belag, der mit Schmutz oder Algen verwechselt wird.
Woran man ihn erkennt
Das Erscheinungsbild ändert sich mit dem Alter des Befalls:
- Jung: ein flacher, grau- bis silbrig-weiß umrandeter Belag (die Konidienform) am Stammfuß.
- Älter: schwarze, brüchige, wie verbrannt wirkende Krusten – daher der Name „Brandkruste“.
- Begleitzeichen: eine dünne schwarze Linie (Demarkationslinie) im angeschnittenen Holz, die befallenes von gesundem Holz trennt.
Welche Bäume betroffen sind
Bevorzugt befällt der Pilz Rotbuche, Linde, Ahorn und Rosskastanie, gelegentlich auch Eiche und andere Laubbäume. Eintrittspforten sind Wurzel- und Stammfußverletzungen – etwa durch Anfahren, Bauarbeiten oder Bodenverdichtung. Geschwächte, trockengestresste Bäume sind besonders anfällig.
Diagnose & Bewertung
Weil der Befall im Verborgenen liegt, reicht die Sichtkontrolle nicht aus. Im Verdachtsfall folgt die eingehende Untersuchung, um die verbleibende Restwandstärke zu bestimmen.
Wegen der Sprödbruch-Neigung werden befallene Bäume allerdings strenger beurteilt als bei anderen Fäulen – die übliche t/R-Faustregel greift hier oft zu kurz.
Richtig handeln
Ein Befall am Stammfuß ist immer ein Fall für die Fachperson – keine Selbstdiagnose, kein Abwarten:
- Eingehende Untersuchung durch eine qualifizierte Baumkontrolle veranlassen.
- Kontrollintervalle verkürzen, solange der Baum noch steht.
- Bei fortgeschrittenem Befall ist die Fällung oft unvermeidlich – Sicherheit geht vor.
- Vorbeugen: Stammfuß und Wurzeln vor Verletzungen und Verdichtung schützen, Vitalität erhalten.
Häufige Fragen
Muss ein Baum mit Brandkrustenpilz gefällt werden?
Nicht immer sofort, aber er muss dringend fachlich untersucht werden. Wegen der Neigung zum unangekündigten Sprödbruch werden befallene Bäume streng beurteilt; bei fortgeschrittenem Befall am Stammfuß ist die Fällung oft unvermeidlich.
Ist der Brandkrustenpilz ansteckend für andere Bäume?
Er verbreitet sich über Sporen und befällt bevorzugt geschwächte oder verletzte Laubbäume. Gesunde, unverletzte Bäume mit intaktem Stammfuß sind weniger gefährdet – Vorbeugung heißt vor allem, Verletzungen und Stress zu vermeiden.
Kann ich den Brandkrustenpilz selbst erkennen?
Erste Hinweise – grau-silbriger Belag oder schwarze Krusten am Stammfuß – ja. Die Gefährlichkeit liegt aber im Inneren. Die Beurteilung der Standsicherheit gehört zwingend in fachliche Hände.