Obst & Streuobst

Veredelung

Ein Apfelkern wird nie wieder denselben Apfel hervorbringen. Wer eine bestimmte Sorte erhalten will, muss veredeln – die Jahrtausende alte Kunst, Sorte …

7 Min. Lesezeit Obst & Streuobst Trier & Luxemburg

Ein Apfelkern wird nie wieder denselben Apfel hervorbringen. Wer eine bestimmte Sorte erhalten will, muss veredeln – die Jahrtausende alte Kunst, Sorte und Wurzel gezielt zu verheiraten.

PrinzipEdelreis (Sorte) + Unterlage (Wurzel)
EntscheidendKambium auf Kambium
HauptmethodenOkulation, Kopulation, Pfropfen
ZeitOkulation im Sommer, Kopulation im Winter

Warum überhaupt veredeln?

Obstsorten sind nicht samenecht: Sät man die Kerne eines „Boskoop“ aus, wächst kein Boskoop, sondern ein wilder Sämling mit unbekannten Früchten. Um eine Sorte unverändert zu vermehren, überträgt man ein Stück der Mutterpflanze – das Edelreis – auf eine wurzeltragende Unterlage. So bleiben Geschmack, Ertrag und Aussehen erhalten.

Die Unterlage bestimmt zugleich die Wuchsstärke: ein Sämling für den mächtigen Hochstamm, eine schwachwüchsige Typenunterlage für die kleine Spindel.

Das Geheimnis: Kambium auf Kambium

Verwachsen können Edelreis und Unterlage nur, wenn ihre teilungsfähigen Schichten – das Kambium – direkt aufeinandertreffen. Genau dort bildet sich das Verbindungsgewebe. Liegt das Kambium daneben, scheitert die Veredelung.

StammquerschnittKonzentrische Holzschichten von der Borke bis zum Kernholz mit Beschriftung.Aufbau eines StammquerschnittsBorke / AußenrindeBorke schützt vor Frost, Hitze & SchädlingenBast (Phloem)Bast: leitet Zucker aus den BlätternKambiumKambium: bildet alles DickenwachstumSplintholzSplintholz: leitet Wasser nach obenKernholzKernholz: gibt Festigkeit, oft fäuleresistentastrein-trilux.de
Das Kambium liegt als dünne Schicht zwischen Holz und Bast – es muss bei der Veredelung exakt zur Deckung kommen.

Die wichtigsten Methoden

VeredelungVergleich der Veredelungsmethoden Okulation und Kopulation mit Kambiumkontakt.Veredelung: Edelreis trifft UnterlageOkulation (Auge)AugeKnospe unter die Rinde der UnterlageKopulation (Reis)EdelreisUnterlageschräger Gegenschnitt, gleich starkWichtig: Kambium auf Kambium – nur so verwächst die Verbindung.astrein-trilux.de
Okulation (Auge unter die Rinde) und Kopulation (schräger Gegenschnitt) im Vergleich.

Die Unterlage steuert den Baum

Welche Unterlage gewählt wird, entscheidet über das ganze Baumleben:

UnterlageWuchsForm
SämlingstarkHochstamm, Streuobst
mittelstark (z. B. MM 111)mittelHalbstamm, Hausgarten
schwach (z. B. M 9)schwachSpindel, Erwerbsanbau

Für die langlebigen Hochstämme der Streuobstwiese sind starkwüchsige Sämlingsunterlagen die richtige Wahl.

Worauf es in der Praxis ankommt

Häufige Fragen

Warum kann man Obstsorten nicht über Kerne vermehren?

Weil Obstsorten nicht samenecht sind: Aus dem Kern wächst ein zufälliger Sämling, nicht die Muttersorte. Nur die Veredelung – das Übertragen eines Edelreises auf eine Unterlage – erhält die Sorte unverändert.

Was ist der Unterschied zwischen Okulation und Kopulation?

Bei der Okulation wird im Sommer ein einzelnes Auge unter die Rinde der Unterlage gesetzt. Bei der Kopulation werden im Winter gleich starkes Edelreis und Unterlage schräg gegengeschnitten und verbunden.

Welche Unterlage eignet sich für einen Hochstamm?

Für langlebige Hochstämme auf der Streuobstwiese werden starkwüchsige Sämlingsunterlagen verwendet. Schwachwüchsige Typenunterlagen sind dagegen für kleine, früh tragende Spindeln gedacht.

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