Der wichtigste Teil eines Baumes ist unsichtbar – und gehört ihm nicht allein. Unter der Erde lebt der Baum in enger Partnerschaft mit Pilzen, ohne die kaum ein Wald und kaum eine Streuobstwiese existieren könnte.
Was ist eine Mykorrhiza?
„Mykorrhiza“ heißt wörtlich Pilzwurzel. Gemeint ist die enge Lebensgemeinschaft zwischen den Feinwurzeln eines Baumes und bestimmten Bodenpilzen. Der Pilz umspinnt oder durchdringt die Wurzeln und erschließt mit seinem feinen Geflecht (den Hyphen) ein Bodenvolumen, das die Wurzeln allein nie erreichen würden.
Ein Tausch zum gegenseitigen Vorteil
Die Partnerschaft funktioniert wie ein Tauschgeschäft:
- Der Pilz liefert Wasser sowie schwer verfügbare Nährsalze (vor allem Phosphor und Stickstoff) an den Baum.
- Der Baum liefert im Gegenzug Zucker aus der Photosynthese – Energie, die der Pilz nicht selbst herstellen kann.
Beide profitieren: Der Baum erschließt über den Pilz ein Vielfaches an Bodenvolumen, der Pilz erhält eine zuverlässige Energiequelle.
Warum sie über Leben und Tod entscheidet
Die Mykorrhiza ist kein nettes Extra, sondern überlebenswichtig:
- Trockenheitstoleranz: Das Pilzgeflecht zapft Wasser an, das den Wurzeln verschlossen bliebe – in heißen Sommern oft entscheidend.
- Nährstoffversorgung: Besonders auf armen Böden hängt die Ernährung am Pilzpartner.
- Abwehr & Vernetzung: Mykorrhizapilze können Wurzeln vor Krankheitserregern abschirmen und benachbarte Bäume unterirdisch vernetzen.
Wie man die Mykorrhiza schützt
Was den Wurzeln schadet, schadet auch dem Pilz. Schützen lässt sich die Symbiose vor allem durch einen gesunden Boden:
- Keine Verdichtung im Wurzelraum – kein Befahren oder Lagern unter der Krone.
- Boden offen und durchlüftet halten, Baumscheibe nicht versiegeln.
- Mulch statt nackter Boden, sparsame bis keine mineralische Überdüngung.
- Wurzelraum bei Bauarbeiten schützen – die meisten Mykorrhizapilze sitzen im durchwurzelten Oberboden.
Häufige Fragen
Was bringt die Mykorrhiza dem Baum konkret?
Sie verschafft ihm über das Pilzgeflecht Zugang zu deutlich mehr Wasser und Nährsalzen, verbessert die Trockenheitstoleranz und kann die Wurzeln vor Krankheitserregern schützen – im Gegenzug liefert der Baum dem Pilz Zucker.
Kann ich die Mykorrhiza meines Baumes fördern?
Ja, vor allem indirekt: Boden im Wurzelraum nicht verdichten oder versiegeln, mulchen statt überdüngen und die Baumscheibe offen halten. Ein gesunder, lebendiger Boden ist die beste Förderung.
Was schadet der Mykorrhiza am meisten?
Bodenverdichtung, Versiegelung der Baumscheibe, Überdüngung und Wurzelschäden bei Bauarbeiten. Sie treffen die feinen Pilzhyphen im Oberboden und schwächen damit die Versorgung des Baumes.