Ein Baum kann eine Wunde nicht reparieren – er kann sie nur einmauern. Dieses Abriegeln, die Kompartimentierung, ist die wichtigste Überlebensstrategie eines Baumes und der Grund, warum jeder Schnitt sitzen muss.
Abriegeln statt heilen
Verletztes Holz wird beim Baum nie wieder gesund. Statt es zu reparieren, grenzt der Baum den Schaden räumlich ab: Er lagert in den Zellwänden chemische Schutzstoffe ein und verstopft Leitbahnen, sodass Fäulepilze sich nicht ausbreiten können. Dieses Prinzip beschreibt das CODIT-Modell.
Reaktions- und Barrierezone
Man unterscheidet zwei Schutzgrenzen: Die Reaktionszone entsteht im bereits vorhandenen Holz rund um die Wunde. Die Barrierezone (CODIT-Wand 4) wird vom Kambium mit dem nächsten Jahrring völlig neu gebildet und trennt das alte, befallene Holz vom künftig gesunden ab – die stärkste Grenze.
Was das für die Pflege heißt
- Kleine Wunden am Astring werden zuverlässig abgeschottet – große, ausgefranste oft nicht.
- Vitale Bäume schotten besser ab als gestresste; Trockenheit schwächt die Abwehr.
- Wundverschlussmittel sind unnötig: Der Baum erledigt die Abschottung selbst.
Häufige Fragen
Heilt ein Baum seine Wunden?
Nein. Ein Baum riegelt verletztes Holz durch Abschottung ab und überwächst die Wunde von außen. Das beschädigte Holz bleibt im Inneren, wird aber dauerhaft eingekapselt.
Wovon hängt ab, wie gut ein Baum abschottet?
Von Baumart, Vitalität und Wundgröße. Vitale Bäume mit kleinen, sauberen Schnittwunden am Astring schotten am besten ab; Trockenstress und große Wunden schwächen die Abwehr.